
Saison
24.06.20
"Wir haben nichts mehr zu verlieren"
Vor dem letzten Spieltag der Saison spricht HSV-Sportvorstand Jonas Boldt über das Saisonfinale und die Ausgangslage, die sich in dieser Art niemand gewünscht hat, die aber nach vielen Rückschlägen nun auch einen ganz neuen Aspekt mit sich bringt.
Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ist der HSV aus den Top-3 der Tabelle herausgerutscht und hat es damit am letzten Spieltag der Saison nicht mehr selbst in der Hand, sich den Relegationsplatz zu sichern. Dennoch werden die Rothosen die Aufgabe optimistisch angehen, erklärte Sportvorstand Jonas Boldt am Mittwoch (24. Juni) in einer Medienrunde. Die Aufgabe lautet, das eigene Heimspiel gegen den SV Sandhausen (28. Juni, 15.30 Uhr) zu gewinnen. Erst danach dürfe man den Blick nach Bielefeld richten, wo der 1. FC Heidenheim als Tabellendritter bei der bereits als Meister und Aufsteiger feststehenden Arminia antritt, so Boldt, der deutlich herausstellte: "Wir haben nichts mehr zu verlieren, können aber noch Dritter werden, deshalb geht es jetzt nur um Sonntag und unser Spiel gegen den SV Sandhausen." Und in diesem Zuge sprach Jonas Boldt über...
… die Stimmungslage: Der Optimismus vor dem letzten Spieltag überwiegt, weil für uns rechnerisch immer noch alles möglich ist und weil wir generell eine Saison gespielt haben, die aus Bergen und Tälern bestand. Grundsätzlich entspricht es meinem Naturell, immer so lange zu kämpfen und zu arbeiten, bis die Saison beendet ist. Wir sind immer in der Lage, Tore zu schießen und ein Spiel zu gewinnen. Zudem haben wir – auf der mentalen Ebene – nichts mehr zu verlieren. Deshalb konzentrieren wir uns jetzt auf uns und unser Spiel - und wie es auf den anderen Plätzen ausgegangen ist und wofür das reicht, das schauen wir dann mal.
"Dass wir in Heidenheim den zweiten Gegentreffer kassieren, darf nicht passieren, aber wir werden den 34. Spieltag mit größtmöglicher Energie angehen" Jonas Boldt
… die Gegentreffer in der Nachspielzeit: Die Rückschläge waren unterschiedlicher Natur, da muss man individuell drauf eingehen, denn ein Gegentor wie in Fürth nach einer Standardsituation ist anders zu bewerten, als wenn ich in der Nachspielzeit in einen Konter laufe. Klar ist aber, dass wir das in den letzten Spielen zu oft haben erfahren müssen. Dennoch ist das Team oft aufgestanden und in der nächsten Partie wieder da gewesen. Umso ärgerlicher ist es, dass wir dann in Heidenheim noch den Ausgleich und den zweiten Gegentreffer kassiert haben. Das darf nicht passieren. Aber auch in dem Bereich werden wir uns straffen und den 34. Spieltag mit größtmöglicher Energie angehen.
… die Trainerposition: Seit Beginn der Saison bin ich regelmäßig mit Dieter Hecking im Austausch. Den Weg, den wir gemeinsam eingeschlagen haben, wollen wir nicht einfach so über Bord werfen. Wir kriegen von vielen Menschen aus Hamburg und ganz Deutschland Anerkennung dafür, dass wir wieder für Werte stehen. Und das, obwohl wir unser Ziel noch nicht erreicht haben. Es ist eine große Stärke von Dieter Hecking, dass er immer wieder mit positiven und klaren Gedanken vorangeht. Deswegen ist ein weiterer gemeinsamer Weg vorstellbar, im Detail werden wir das aber nach dem letzten Spiel besprechen und uns dabei auch nicht treiben lassen. Dann gilt es auch zu analysieren, welches Budget für die neue Saison zur Verfügung steht.
"Wir haben noch immer die Chance auf die Relegation und damit auf zwei weitere Endspiele, aber erst einmal müssen wir unsere Hausaufgaben machen" Jonas Boldt
… die Kaderplanung: Wir machen unsere Hausaufgaben und führen viele Gespräche. Natürlich hatten wir uns auch schon vorher unsere Gedanken gemacht, aber aktuell besteht die Schwierigkeit in der derzeitigen Corona-Phase. Denn: Stand heute kann sicher niemand richtig beantworten, wie es da genau aussieht und wie es weitergeht. Nach der Saison, wenn Fakten geschaffen wurden, werden wir eruieren, welche Möglichkeiten wir haben. Wir werden - egal in welchem Szenario - schauen, an welchen Stellen wir unsere Mannschaft verstärken können und werden versuchen, hierfür die bestmöglichen Spieler zum HSV zu holen.
… die Wahrnehmung des Umfelds: Mir war von vornherein klar, dass es schwer werden kann, unser Ziel zu erreichen, auch wenn wir dieses sehr klar formuliert haben. Deshalb soll das auch keine Ausrede sein, aber: Im Fußball gibt es nun einmal keine Garantien. Dennoch versuchen wir natürlich immer, alles zu optimieren, aber genau darin besteht auch die Herausforderung. Klar ist aber auch: Wenn man am 33. Spieltag das erste Mal in der Saison aus den Top-3 rausrutscht, dann kann man nicht erwarten, dass die Leute Applaus klatschen. Insgesamt sehe ich die Kritik aber völlig im Rahmen. Und noch ist die Saison ja nicht beendet, wir haben noch immer die Chance auf die Relegation und damit auf zwei weitere Endspiele. Aber erst einmal müssen wir unsere sportlichen Hausaufgaben machen und unser Spiel gegen Sandhausen gewinnen. Nur darum geht es jetzt.