
Saison
26.02.25
Polzin: "Wir sind auf dem richtigen Weg"
HSV-Trainer Merlin Polzin erlebte seine Mannschaft am vergangenen Wochenende mal anders, gewann dabei neue Erkenntnisse und stärkt darüber hinaus weiter den Teamgedanken.
Am vergangenen Freitagabend saß Merlin Polzin daheim auf der Couch statt auf der Trainerbank im Volksparkstadion. Eine Grippe zwang den Coach dazu, die Partie und den 3:0-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern in den eigenen vier Wänden zu verfolgen. Umso größer war die Freude, als der Coach am Dienstag (25. Februar) in den Volkspark zurückkehrte. Zwar stimmlich noch leicht angeschlagen, aber bereits wieder bestens gelaunt nahm Polzin die Trainingsarbeit auf - und plauderte anschließend ein bisschen aus dem Nähkästchen, wie er den Freitagabend erlebt hat und was die Mannschaft aus seiner Sicht auszeichnet und so besonders macht.

Wobei in diesem Fall das eine mit dem anderen zusammenhängt. Denn genau diese Erkenntnis gewann Polzin an jenem Freitagabend, den er nicht im Stadion, sondern daheim verbringen musste. Eine Grippe hatte den Coach lahmgelegt. "Es waren schon sehr Bett-lastige Tage und etwas mehr als eine normale Erkältung", lautete Polzins Fazit, als er nach dem ersten Training der Woche - noch leicht heiser - eine Medienrunde gab.
"Aber solch eine Grippe kann ja immer mal passieren und ich fühle mich jetzt auch schon wieder so, dass ich helfen kann." Das, so Polzin, sah am Freitag anders aus. Und so entschied er sich ohne Gewissensbisse dafür, sein Trainerteam um Loic Fave und Richard Krohn (Foto) sowie die Mannschaft die Aufgabe am Abend im Heimspiel gegen die Roten Teufel allein angehen zu lassen. "Ich weiß, dass Loic und Richard mit ihren 100 Prozent besser sind als ich in krankem Zustand. Dafür arbeiten wir die gesamte Zeit eng im Team und auf Augenhöhe."
Und so verfolgte Polzin das Spiel von zu Hause aus und gab nur gelegentlich ein paar Erkenntnisse an Spielanalyst Eduard Riesen weiter. "Ich habe großes Vertrauen ins Team und in den Staff, sodass ich mich da bewusst zurückgehalten habe und wirklich nur ganz vereinzelte Infos gegeben habe. Und ich habe ja auch gesehen, dass wir die Dinge, die wir uns erarbeitet haben, gut umsetzen." So entwickelte sich im ausverkauften Volksparkstadion ein Abend, der aus HSV-Sicht nicht besser hätte laufen können. Empfand auch der Trainer aus ungewohnter perspektive vor dem TV so: "Es war extrem laut, es war voller Energie, die Choreo war geil, der Rasen war top - das war schon alles in allem super. Natürlich tat es deshalb weh, nicht dabei sein zu können. Aber so wie ich von meinen Spielern verlange, dass sie sich selbst in solchen Momenten zurücknehmen und das Team nach vorn stellen, habe ich mit totalem Vertrauen in Loic, Richard und das Team diese Entscheidung getroffen."

Und ganz raus war Polzin dann ja doch nicht, denn unmittelbar nach dem Schlusspfiff wurde die Idee umgesetzt, den Coach aus dem Mannschaftskreis auf dem Platz anzurufen. "Ich hatte den Fokus komplett auf dem Spiel", erinnert sich Polzin an diesen Moment, "und dann wurde ich auf einmal dazugeschaltet. Die Lautstärke im Stadion hat dafür gesorgt, dass akustisch nicht großartig etwas ankam, aber das war auch egal."
Für den Coach stand nämlich etwas anderes im Mittelpunkt: "Es war diese schöne Geste, über die ich mich sehr gefreut habe. Und das war für mich auch wieder ein kleiner Moment, in dem ich gemerkt habe: Wir sind auf dem richtigen Weg. Für mich hatte das daher eine große Bedeutung." So erlebte Polzin den Mannschaftskreis und die Feier mit den Fans vor der Nordtribüne per Videoanruf mit - und freut sich dennoch doppelt darauf, am kommenden Wochenende wieder in echt dabei zu sein. Dann geht es nach Paderborn, wohin der HSV mit nacheinander fünf ungeschlagenen Auswärtsspielen im Gepäck reist. Und auch wieder mit seinem Chefcoach.